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BEITRAG DER SP PFÄFFIKON


WEITERE BEITRÄGE


Die Stellungnahme ist gegliedert in fünf Teile: 

  • Allgemeine Einschätzung 
  • ÖV 
  • Fussverkehr 
  • Motorisierter Individualverkehr (MIV) 
  • Fahrradverkehr 

 

Allgemeine Einschätzung 

Das Mobilitätskonzept beschreibt ausführlich die Ist-Situation bezüglich Regulierungen, vorhandener Infrastruktur und den geplanten Massnahmen des Kantons. Eine übergeordnete Vision des Gemeinderates, wie sich die Mobilität in den nächsten 20 Jahren in Pfäffikon entwickeln soll, fehlt weitgehend.  

Die Entwicklung des Dorfkerns ist relativ detailliert beschrieben. Das Konzept ist jedoch nicht schlüssig: Wie und mit welchen Verkehrsmitteln die restlichen Quartiere mit dem Dorfkern verbunden werden sollen, wird aus dem Mobilitätskonzept nicht ersichtlich. 

Es ist nicht klar, mit welcher Strategie der Gemeinderat die Entwicklung in Pfäffikon steuern will. Welche Verkehrsmittel sollen aktiv gefördert werden und warum? Wo – ausser im Dorfkern – sind welche Massnahmen dafür vorgesehen? 

Es fehlt – ausgenommen für die angestrebte Unterführung Tunnelstrasse und einige Fusswege – jegliche Verbindlichkeit. Sämtliche Massnahmen beispielsweise für den Veloverkehr sind höchst vage beschrieben. Die SP Pfäffikon fordert den Gemeinderat auf, seine Ziele und Absichten verbindlicher zu formulieren. Grundsätzlich legt das behördenverbindliche REK (Raumentwicklungs-Konzept) ein starkes Gewicht auf den Velo- und Fussverkehr. Diese Vorgabe wird im Mobilitätskonzept zu wenig berücksichtigt.  

Die SP Pfäffikon erwartet, dass diese Fragen in einem Mobilitätskonzept, das für die nächsten rund 20 bis 40 Jahre die Verkehrspolitik der Gemeinde bestimmt, schlüssig und nachvollziehbar beantwortet werden. Dabei sollten alte Ideen, die aller Voraussicht nach weder bewilligungsfähig noch bezahlbar sind, nicht berücksichtigt werden. Insbesondere darf die Idee einer Westumfahrung in diesem Konzept überhaupt nicht auftauchen, da dieses Projekt mit allergrösster Wahrscheinlichkeit gar nicht umgesetzt werden kann. 

Verkehrsströme: Die Anzahl Bewegungen des MIV sind im Konzept nachvollziehbar und detailliert aufgeführt, sogar mit einer Schätzung für die Zukunft. Das gleiche fehlt allerdings für Fussgänger:innen und Velofahrer:innen. Das ist ein schwerwiegender Mangel, der behoben werden muss.  

Verkehrssicherheit: Im Mobilitätskonzept sind Schulwege mit keinem Wort erwähnt. Es fehlt die vertiefte Analyse der Schulwegsicherheit. Die SP Pfäffikon fordert den GR auf, dies nachzuholen und falls nötig konkrete Verbesserungsvorschläge für sämtliche Schuleinheiten vorzulegen. 

 

ÖV 

Die SP Pfäffikon begrüsst die Überlegungen, einen Ortsbus einzuführen bzw. die Routenführung der Postautos entsprechend anzupassen. Es ist aber klar, dass der GR hier keine Entscheidungsfreiheit hat. Der behindertengerechte Umbau der Bushaltestellen muss wie bisher vorangetrieben werden. 

 

Fussverkehr 

Im Mobilitätskonzept werden diverse Brennpunkte identifiziert. Verbesserungen werden mit baulich und zeitlich konkreten Projekten im Konzept festgehalten. Im Dorfkern soll sich mit einer umfassenden Verkehrsberuhigung eine klare Verbesserung für den Fussverkehr erreicht werden. Die SP Pfäffikon begrüsst diesen Ansatz.  

 

MIV 

Die angestrebte Beruhigung des Dorfkerns (Bahnhofstrasse, Kempttal-/Hochstrasse und Usterstrasse bei der reformierten Kirche) ist zu begrüssen. Gleichzeitig wird aber nicht auf die erschwerenden politischen Umstände eingegangen: Mit der Annahme des Gegenvorschlags zur Anti-Stau-Initiative soll Tempo 30 nur noch in Ausnahmefällen auf Hauptverkehrsachsen bewilligungsfähig sein. Eine Einschätzung, wie realistisch die Pläne des GR für die Hoch-/Kempttalstrasse sind, fehlt im Konzept, ebenso mögliche Alternativen. 

Auf die Massnahme „Westtangente“ soll verzichtet werden, da der Kanton dies bereits als nicht umsetzbar beurteilt und diese Massnahme aus dem kantonalen Richtplan streichen möchte.  

Das Thema Unterführung Tunnelstrasse nimmt im Mobilitätskonzept breiten Raum ein. Dies, obwohl die Stimmbürger:innen das Projekt am 12. Juni 2023 an der Gemeindeversammlung verworfen haben. Das Projekt ist mittlerweile deutlich über 20 Jahre alt. Dass der GR auf Rezepte aus dem letzten Jahrhundert setzt, um völlig andere Bedürfnisse der nächsten 20 bis 30 Jahre zu adressieren, ist unverständlich. 

Zum Thema Unterführung Tunnelstrasse müssen im Mobilitätskonzept folgende Fragen konkret beantwortet werden: 

  • Die Zahlen zu den möglichen Kosten sind 25 Jahre alt. Wie viel kostet die Unterführung Stand heute? Sollte diese Frage nicht beantwortet werden können, muss die Zahl von 6 Millionen aus dem Konzept entfernt werden. Alles andere wäre unseriös. 
  • Wie würde sich eine Unterführung an der Russikerstrasse auf den für den Langsamverkehr wichtigen Perimeter um die Einkaufszentren Migros und Coop auswirken?  
  • Mit wie viel Mehrverkehr auch aus Hittnau Richtung Effretikon wäre auf der Tunnelstrasse zu rechnen? Wären der Kreisel zur Tiefgarage Migros/Coop und die Einfahrt in die Kempttalstrasse fähig, diesen Mehrverkehr ohne Rückstau zu bewältigen? 
  • Wäre der Kanton bereit, sich an den Kosten allenfalls zu beteiligen? Frühere Gespräche mit Vertretern des Kantons waren nicht sehr positiv. Die SP Pfäffikon fordert diesbezüglich höchste Transparenz.  

Aufgrund der von der SP Pfäffikon angeregten Analysen muss der GR das gesamte Projekt neu beurteilen. Verworfene Varianten müssen zur Entschlackung aus dem Verkehrskonzept entfernt werden. 

Die SP Pfäffikon lehnt eine Unterführung Tunnelstrasse für den MIV als Teil des Mobilitätskonzepts ab. Die Unterführung führt zu möglicherweise massivem Mehrverkehr in einen Bereich, der laut Konzept verkehrsberuhigt werden soll. Die Erschliessung der Einkaufszentren Migros und Coop sowie weiterer Läden im Perimeter würde die ohnehin schon prekäre Situation für den MIV als auch den Langsamverkehr massiv verschlechtern. Einkaufenden würde zu Spitzenzeiten noch mehr Stau um den Kreisel zugemutet. 

Das Projekt untergräbt das Ziel, mehr Verkehrsteilnehmende zum Umstieg auf das umweltfreundliche Verkehrsmittel Velo zu bewegen, wie es im REK vorgesehen ist. Ausserdem ist die Finanzierung im Moment noch völlig unklar. Pfäffikon fehlen die Mittel, dieses Bauwerk allein zu stemmen. Die vorgeschlagene Lösung ist aus diesen Gründen umstandslos zu verwerfen. 

 

Veloverkehr 

Die grössten Mängel des Mobilitätskonzepts sieht die SP Pfäffikon im Umgang mit dem Veloverkehr. Ein klares Bekenntnis des GR zur Förderung des Veloverkehrs fehlt, obwohl dies im behördenverbindlichen REK so festgehalten ist. Der Umstieg auf das Velo für Kurzstrecken, beispielsweise zum Einkaufen, zur Fahrt zum Bahnhof oder zur Badi ist für ein verkehrsberuhigtes Zentrum zentral. Je mehr Menschen Kurzstrecken mit dem Fahrrad erledigen, desto stärker entlastet das die Strassen vom MIV.  

Heute schrecken noch viele Pfäffiker:innen davor zurück, das Fahrrad zu nutzen, weil es in ihren Augen schlicht zu gefährlich ist. Das zeigt auch die lange Liste der identifizierten Brennpunkte im Mobilitätskonzept, die bei weitem nicht vollständig ist. 

Der GR muss im Mobilitätskonzept folgende Punkte nachbessern: 

  • Es braucht ein klares Bekenntnis zur aktiven Förderung des Veloverkehrs in Pfäffikon für Kurzstrecken. Das entspricht einem grundsätzlichen Wandel in der Verkehrspolitik. Dieser Wandel ist nicht zuletzt auch der verstärkten Nutzung von E-Bikes als Alltagsgefährt zu verdanken und muss vom GR nachdrücklich unterstützt und gefördert werden. 
  • Daraus abgeleitet muss der Gemeinderat konkret zeigen, mit welchen Mitteln er das erreichen will. Beispiele sind sichere Velovorzugsrouten aus allen Quartieren ins Zentrum, in die Badi und zu den Schulhäusern. Da dies auf den gemeindeeigenen Strassen vollzogen werden kann, ist man auch nicht abhängig vom Kanton.  
  • Das Mobilitätskonzept benennt 16 gefährlich Orte für Velofahrende. Bei den konkreten Massnahmen bleibt vieles sehr vage. Es fehlen konkrete Verbesserungsvorschläge und damit verbunden ein konkreter Zeitplan. Hier wünscht sich die SP Pfäffikon mehrVerbindlichkeit.  
  • Gemäss den beigezogenen Fachleuten brächte eine abgespeckte Unterführung Tunnelstrasse für den Velo- und Fussgängerverkehr massive Verbesserungen. Aus diesem Grund ist dieses Projekt prioritär zu behandeln.  

Ein Denkanstoss: Liesse sich diese Unterführung so gestalten, dass sie in Notfällen auch von Rettungsfahrzeugen wie der Sanität oder einem kleinen Ersteinsatzfahrzeug der Feuerwehr genutzt werden könnte?  

 

Zusammenfassung 

Die SP Pfäffikon ist nur in Teilen zufrieden mit dem zur Vernehmlassung vorgelegten Mobilitätskonzept. Es fehlt eine übergreifende Vision, wie sich der Verkehr in Pfäffikon entwickeln soll. Noch immer wird hauptsächlich auf den MIV gesetzt.  

Das behördenverbindliche REK ist bezüglich Velo- und Fussverkehr sehr klar:
«Pfäffikon führt ein dichtes Netz aus sicheren, hindernisfreien und direkten Haupt- und Alternativrouten für den Fuss- und Veloverkehr und alle Anspruchsgruppen. Der Fuss- und der Veloverkehr werden grundsätzlich getrennt voneinander geführt. Attraktive Wegverbindungen mit hoher Erholungsfunktion ausserhalb des Siedlungsraums ergänzen das Netz.» 

Der Gemeinderat hat sich der Aufgabe verweigert, diesen wichtigen Teil des REK im Mobilitätskonzept aufzunehmen und konkrete Umsetzungsvorschläge zu machen. Der Veloverkehr wird nicht als Chance gesehen, den MIV im Zentrum zu reduzieren.   

Das überdimensionierte und schlecht durchdachte Projekt Unterführung Tunnelstrasse ist zugunsten des Velo- und Fussverkehrs zu ändern. Das Thema Schulwegsicherheit ist zu ergänzen. Ins Mobilitätskonzept sollen nur Projekte einfliessen, die bezahlbar und realistisch sind. 

Das Mobilitätskonzept bleibt in vielen Teilen sehr vage und unverbindlich. Die SP Pfäffikon fordert den GR auf, sich konkret und verbindlich zu einer umweltgerechten, nachhaltigen und modernen Mobilität zu bekennen. Das behördenverbindliche REK muss dabei die Leitlinie sein.