
Die SP Pfäffikon empfiehlt an der Gemeindeversammlung vom 8. Dezember ein JA zum Antrag des Gemeinderats.
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BEITRAG DER SP PFÄFFIKON

WEITERE BEITRÄGE
Die geplante Koordinationsstelle «Frühe Förderung» in Pfäffikon hilft langfristig, viel Geld zu sparen und hilft genau jenen Kindern, die Unterstützung besonders benötigen.
An der Gemeindeversammlung vom 8. Dezember 2025 beantragt der Gemeinderat die Schaffung einer Koordinationsstelle «Frühe Förderung». Die jährlichen Kosten werden für 2026 mit 94’700 Franken beziffert, ab 2030 soll die Summe auf rund 185’000 Franken steigen.
Das ist viel Geld und man fragt zurecht, ob sich diese Investition lohnt. In diesem Artikel versuchen wir, diese berechtigte Frage zu beantworten. Letztlich geht es um möglicherweise vermeidbare Kosten und mögliche Mehreinnahmen.
Bevormundet der Staat jetzt die Eltern?
Worüber debattieren wir eigentlich bei der «Frühen Förderung»? Die Wissenschaft gibt einen recht klaren Rahmen vor: Ab dem Zeitpunkt der Geburt bis zum Eintritt in den Kindergarten sollen Kinder – und Eltern – von der «Frühen Förderung» profitieren können. Unter diesem Begriff sollte man sich keine «frühe Schule» für Kleinkinder vorstellen. Es geht vielmehr darum, den Kindern zu ermöglichen, ihre in diesem Alter im Vergleich zu später sehr ausgeprägte Neugier und Lernfähigkeit optimal zu nutzen.
Die «Frühe Förderung» setzt genau an diesem Punkt an: Defizite – seien es sprachliche oder soziale – lassen sich in den ersten vier Lebensjahren sehr viel einfacher angehen als im späteren Leben.
Die Koordinationsstelle «Frühe Förderung» wird Eltern also nicht grossflächig belehren und überwachen. Sie soll gezielt dort aktiv werden, wo Unterstützung und Intervention zum Wohle des Kindes angezeigt ist. Das Angebot soll niederschwellig sein und es Eltern so ermöglichen, sich ohne viel Bürokratie Unterstützung zu holen. Je tiefer der sozioökonomische Status der Eltern ist, desto erfolgreicher sind die frühen Fördermassnahmen.
Jeder investierte Franken macht sich bezahlt
Die «Frühe Förderung» ist eine Chance, spätere Kosten zu vermeiden. Die Ablehnung der beantragten Mittel wäre kurzsichtig und führte zu langfristigen Sparschäden, welche die Kosten um ein Mehrfaches übersteigen.
Das zeigt nur schon ein Blick auf den Betrag, den unsere Schule heute für Kinder mit besonderen Bedürfnissen investiert. Beispielsweise ISR (Integrierte Sonderschulung), externe Sonderschulen und Stützungsmassnahmen wie Logopädie, DAZ (Deutsch als Zweitsprache) etc. Alles in allem machen diese Kosten rund 20 Prozent des gesamten Schulbudgets aus, konkret mehrere Millionen Franken jährlich. Die Koordinationsstelle «Frühe Förderung» soll den Anteil der Kinder senken, die während ihrer Schulzeit Massnahmen benötigen.
Doch um den Wert der «Frühen Förderung» richtig zu erfassen, darf die Kostenrechnung nicht mit der Schulzeit aufhören. Armut in der Schweiz hängt massgeblich mit dem Bildungsniveau zusammen: Je besser ausgebildet eine Person ist, desto geringer ist ihr Risiko, in die Armut abzurutschen. 56,8 Prozent der Sozialhilfebeziehenden verfügen über keine berufliche Ausbildung. Die Armutsstatistik der Schweiz bestätigt den kausalen Zusammenhang von Bildung und Armut: Während die Armutsquote der Gesamtbevölkerung bei 7,6 Prozent liegt, sind Personen, die über keine nachobligatorische Ausbildung verfügen, mit 13,7 Prozent überdurchschnittlich von Armut betroffen. Dazu kommt: Armut steigert das Risiko gesundheitlicher Probleme sowie Vereinsamung, was ebenfalls Kosten verursacht.
Das führt uns zu der wohl schwierigsten und vielleicht wichtigsten Frage: Wie lässt sich die Wirksamkeit der eingesetzten Mittel für die «Frühe Förderung» nachweisen? Prävention soll Kosten ja gar nicht erst entstehen lassen. Der Nachweis ist bei einer Massnahme, deren Wirksamkeit sich vielleicht erst nach 10 oder 20 Jahren zeigt, noch viel schwieriger.
Es gibt im deutschsprachigen Raum nur sehr wenige Studien, die einen dermassen langen Zeitraum überblicken. In England und den USA gibt es einige öffentlich zugängliche Studien, welche diese Voraussetzungen erfüllen. Besonders interessant ist das «High/Scope Perry Preschool»-Projekt. Die «Frühe Förderung» kümmerte sich hier sehr gezielt um kleine Kinder aus besonders benachteiligten Milieus. Die Resultate sind bemerkenswert: Heute 40-jährige Erwachsenen, die vom Projekt unterstützt wurden, weisen im Vergleich zu Menschen aus ihrer Alterskohorte, die keine Förderung als Kinder bekamen, in allen wichtigen Parametern (Schulabschluss, berufliche Anstellung, Sozialleistungsbezug, Straftaten) deutlich positivere Lebenswege aus.

Ganz ähnliche Resultate zeigen verschiedene Studien, welche das Kosten-Nutzen-Verhältnis der «Frühen Förderung» in den Städten Zürich, Bern und in der Romandie untersuchten. Jeder investierte Franke kam letztlich zwischen 2,6 und 3,5 mal zurück. In Form von höheren Steuereinnahmen, eingesparten Sozialleistungen und anderen Kosten.

Fazit: Sparen kostet viel Geld
Je benachteiligter die Kinder sind, desto erfolgreicher sind die frühen Fördermassnahmen. Darum ist der Ansatz der Gemeinde richtig, nicht mit der Giesskanne zu fördern, sondern genau da, wo es nötig ist. Diese heute anfallenden Kosten verhindern viel höhere Kosten in Jahren oder sogar Jahrzehnten. Kluge Politik ist vorausschauende Politik. Mal ganz abgesehen vom rein finanziellen Aspekt ermöglichen wir diesen Kindern, ihren Weg zu gehen und ihr Potenzial auszuschöpfen. Und das ist eine der nobelsten Aufgaben unserer Gesellschaft.
Links und Quellen
Für diesen Artikel wurden die folgenden Quellen genutzt. Das sind auch gute Anlaufstellen für alle, die sich vertieft mit dem Thema «Frühe Förderung» auseinandersetzen wollen.
Margrit Stamm et.al.: Frühkindliche Bildung in der Schweiz
