Das Angebot der Badi muss nicht ab- sondern ausgebaut werden. Das zeigte der Hitzesommer deutlich. Die SP Pfäffikon fordert ein Umdenken des Gemeinderats.
Als Pfäffikon vor einigen Jahren über neue Garderobengebäude für den FC diskutierte oder vor zwei Jahren über den Kunstrasenplatz, waren sich die Parteien einig: Der FC Pfäffikon ist wichtig, und das darf auch etwas kosten. Sportliche Betätigung, soziale Interaktion und nicht zuletzt die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund waren die schlagenden Argumente für die Millionenunterstützung. Die SP Pfäffikon hat diese Vorhaben immer mitgetragen.
Eigenartigerweise zählen all diese Argumente nicht, wenn es um die Badi Baumen geht. An der letzten Gemeindeversammlung forderte die FDP, dass das «Problem mit der Badi» im nächsten Budget gelöst werden müsse. Gemeint ist damit das jährliche Defizit, das sich mit 594’408 Franken für 2025 tatsächlich auf einem Rekordniveau befindet. Der Gemeinderat strebt keine absolute Zahl an, sondern ein maximales Kostendefizit pro Eintritt. Dieses lag lange bei 1.20 Franken.
Diese beiden Zahlen (das absolute Defizit und das Kostendefizit pro Eintritt) verdienen allerdings eine genauere Analyse: Warum lag das Kostendefizit pro Eintritt im Jahr 2025 bei noch nie dagewesenen 5.68 Franken? An der Anzahl der Eintritte kann es nicht (nur) liegen. Die lagen zwar mit 104’000 im Vergleich zu anderen Jahren relativ tief. Der Kostendeckungsgrad war allerdings auch in katastrophalen Jahren wie 2021 nicht so hoch wie 2025.
Die Ursachen sind also woanders zu suchen. Die SP Pfäffikon beobachtet schon seit längerem einen grossen wirtschaftlichen Druck des Gemeinderats auf die Betriebsleitung der Badi. Aus diesem Grund wurden die Leistungen und vor allem die Öffnungszeiten der Badi massiv zusammengestrichen. War in früheren Jahren die Badi im Hochsommer bis zum Sonnenuntergang offen, schliesst sie heute mit Ausnahme von einigen wenigen Abenden bereits um 20 Uhr. Entsprechend wurde auch das Angebot im Restaurant massiv reduziert. Letzte Bestellungen sind bis 19 Uhr möglich. Das ist für Berufstätige schlicht nicht mehr attraktiv. Am Montag öffnet die Badi um 11 Uhr, auch im Hochsommer. Das führt dazu, dass auch am Montagmittag das Badirestaurant weniger gut besucht ist.
Diese zeitlichen Einschränkungen – kombiniert mit Sparanstrengungen, die auch einen Einfluss auf die gebotene Qualität hatten – führten beim Badirestaurant 2025 zum einem Kostendeckungsgrad von gerade mal 92 Prozent. Ein in den letzten Jahren noch nie erreichter Tiefpunkt.
Realitätsferne Budget-Fantasien
Der Gemeinderat hat mit seiner Sparpolitik einen grundsätzlichen unternehmerischen Fehler begangen: Sparerfolge, die in einer Excel-Liste vielleicht gut aussehen, müssen bei den Kunden auch ankommen. Sonst überwiegen die Sparschäden und führen zu einem höheren Defizit.
Kommt dazu: Der angestrebte Kostendeckungsgrad von 1.20 Franken pro Eintritt ist eine Illusion, eine Zahl, die völlig aus der Luft gegriffen ist. Das zeigt ein Vergleich mit anderen Badeanstalten in der Region. Keine einzige Badi erreichte einen solch tiefen Wert auch nur annähernd. Die Zahlen aus dem Jahr 2024: Die Badi Pfäffikon liegt mit einem Kostendeckungsgrad von 77 Prozent mit Abstand an der Spitze. Das überambitionierte und weltfremde Budget der Gemeinde hatte nichts mit der Realität zu tun.
Die Badi ist ein Ort der Erholung
Die Badi ist die mit Abstand wichtigste Freizeitanlage der Gemeinde. Ein Defizit von einigen 100’000 Franken ist bei einem Gesamtbudget von fast 90 Millionen tragbar. Kommt dazu: Die Badi wird zunehmend wichtiger für die Volksgesundheit. Das zeigt dieser Sommer in aller Deutlichkeit. Darum muss nicht nur die finanzielle Situation überdacht werden, sondern auch die Öffnungszeiten. Hunderte Besucherinnen und Besucher werden jeden Abend um halb Acht aufgefordert, die Badi zu verlassen. Viele Menschen kehren gezwungenermassen in der grössten abendlichen Hitze in ihre Wohnungen zurück. Das macht weder wirtschaftlich noch aus Sicht der Hitzeprävention Sinn.
Längere Öffnungszeiten und besseres Restaurantangebot
Die Folgerungen sind klar: Die Badi Pfäffikon muss im Hochsommer länger geöffnet bleiben, am Abend sowie am Montagmorgen. Das Angebot des Badirestaurants muss gleichzeitig nicht ab- sondern ausgebaut werden, damit wieder ein anständiger Batzen an das Defizit erwirtschaftet wird – so wie in vergangenen Jahren.
Der Gemeinderat muss sich vom gescheiterten Sparkonzept verabschieden und wieder unternehmerisch denken. Dazu gehört auch ein vernünftiges Restaurant. Dem Kanton, der sich gegen solche Pläne stemmt, muss der Gemeinderat entschieden entgegentreten und für die Interessen der Pfäffikerinnen und Pfäffiker eintreten. Bisher hat der Gemeinderat mit seinen Abbauplänen für das Badirestaurant nicht diesen Eindruck hinterlassen. Zum Glück hat eine öffentliche Umfrage klar gezeigt, dass die Pfäffikerinnen und Pfäffiker diesen Weg nicht goutieren. Die SP Pfäffikon konnte zur Umfrage viele Leute mobilisieren.
Die Sommer werden künftig heisser. Dies ist ein Problem, dem sich auch die Gemeinde Pfäffikon stellen muss. Hitzeinseln wie beispielsweise die Seestrasse brauchen zügig ein vernünftiges Beschattungskonzept. Die Badi muss ihre Rolle als Zufluchtsort im Hochsommer spielen können. Kleinliche Budgetdiskussionen sind hier völlig fehl am Platz.
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